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Laos – Flusskreuzfahrt auf dem Mekong

Am  24.09.2019 war es endlich soweit: ich hatte die Möglichkeit mit dem Veranstalter “Lernidee Erlebnisreisen” eine Flusskreuzfahrt auf der Mekong Sun den nördlichen Teil des Mekongs zu erkunden und war sehr neugierig die Laoten, das beeindruckende und so gleich unbekannte Land, sowie die Kultur kennen zu lernen.

Wir flogen mit dem A380 der Thai Airways von Frankfurt nach Bangkok. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Bangkok,  flogen wir mit der Bangkok Airways weiter nach Luang Prabang. Bereits der Landeanflug war grandios, der Mekong erschien in seiner Größe und Schönheit hinter den Bergen. Mein erster Gänsehaut-Moment: fast unfassbar,  in solch einer schönen Landschaft angekommen zu sein.

Nach der schnellen Einreise und Erhalt des Visums wurden wir mit Kleinbussen abgeholt und von einem netten deutschsprachigen Reiseleiter zu unserem Schiff gefahren. Die Mekong Sun lag am Flussufer direkt in Luang Prabang und beeindruckte mich direkt. Ein ganz anderes, viel kleineres Schiff, als man sie von anderen Flussanbietern kennt, wartete auf uns. Das Boutique Schiff wurde im Jahr 2005 in Laos gebaut und im Jahr 2016 komplett renoviert. Im Anschluss an die freudige Begrüßung durch die Crew und unserem Bordmanager, Mr. Air, wurde uns das Schiff mit seinen 14 Kabinen ausgiebig vorgestellt. Direkt am Eingang des Schiffes wurde uns erklärt, dass die Laoten in Häusern immer barfuß laufen. Alternativ wurden  jedoch Hausschuhe für die Gäste, die nicht barfuß an Bord laufen wollten, angeboten. An dieser Stelle kann ich nur erwähnen, wie toll es war, sich barfuß auf dem knarrendem Holzboden zu bewegen . Bereits nach dem ersten Tag habe ich es sehr genossen und das Abschalten fiel mir viel leichter, da mich diese neue Welt komplett in ihren Bann gezogen hat.  Auch  das Mahagoni Holz der Mekong Sun sorgte für das besondere tolle Flair des Schiffes.

Am Nachmittag machten wir uns mit einem Stadtführer auf den Weg in die ehemalige Königsstadt Luang Prabang. Vom Schiff erreichten wir schon nach wenigen Minuten die Tempelanlage Wat Xieng Thong. Wir lernten, dass die gesamte Stadt dem UNESCO-Weltkultur Erbe angehört und erfuhren bei witzigen Anekdoten,  wie entspannt die Laoten sind. Nach einem kurzen Spaziergang durch die unterschiedlichen Stadtteile mit ihren eigenen Klöstern, erreichten wir den Königspalast. Hier hatten wir die Möglichkeit auf den gegenüber liegenden Berg zu steigen und wurden mit einer grandiosen Aussicht, die wir bereits im Flugzeug erlebt hatten,  belohnt. Mit tollen Eindrücken im Gepäck machten wir uns auf den Rückweg zum Schiff und genossen die zentrale Lage. Ein erstes Abendessen an Bord zog uns in den Bann der laotischen Küche.  Wir sind am Abend noch zum Nachtmarkt gegangen.  Dieser Markt ist wirklich ein Geheimtipp. Bereits um 5 Uhr morgens ging es für uns zu Fuß in die Stadt zu einem Tempel. Jeden Morgen machen sich die Mönche auf den Weg durch die Straßen der Stadt,  um sich die Verpflegung für den Tag in Almosenschalen zu sammeln. Die Laoten stehen hierfür bereits 1 ½ Stunden vorher auf,  um den besonderen Klebereise für die Mönche zu kochen. Eine unbeschreibliche Stimmung kehrt während des Sonnenaufganges in der Stadt ein. Im Anschluss machten wir einen kurzen Spaziergang über den Morgenmarkt, der mit seiner kompletten asiatischen Gemüse- und Fleischvielfalt beeindruckte.

Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir wieder die Mekong Sun und unsere Flussfahrt auf dem Mekong begann. Wir fuhren durch ursprüngliche Landschaften und beobachteten u. A. die blühenden Mahagoni- und Teakbäume entlang des Ufers. Teilweise konnten wir Wasserbüffel entlang des Flusslaufes erspähen. Auf unseren Liegestühlen liegend berichtete unser Reiseleiter Ben viel über das Land, die Leute und die Geschichte während des Vietnamkriegs. Ich muss gestehen,  dass ich nicht viel von Laos vor dieser Reise wusste.  Während dieser Reise habe ich sehr viel erfahren,  was mich beeindruckt, schockiert und nachdenklich machte. Das Land ist wirklich eine Reise wert. Die Menschen sind unfassbar gastfreundlich, obwohl sie in der Vergangenheit viel durchmachen mussten.

Unser Kapitän, ein echter Laote, erklärte uns in den nächsten Tagen,  dass der Mekong nur auf Sicht und mit Erfahrung befahrbar ist. Aus diesem Grund legten wir jeden Abend am Flussufer an und fuhren am nächsten Morgen weiter. Ein so großer Fluss, der noch nicht mit Tonnen/Signalen ausgestattet ist,  überraschte mich erneut. Jedoch bemerkte man auch hier wieder die Ursprünglichkeit des Landes. An den Nachmittagen hatten wir Stopps bei unterschiedlichen kleinen Dörfern,  in denen wir Tempel und teilweise Elefantenfarmen erkundeten. Wir lernten in den Dörfern die unterschiedlichen Stämme des Landes kennen und erlebten hautnah wie der Kommunismus in Laos gelebt wird. Eine für mich völlig unbekannte Erfahrung. Immer noch leben in Laos 70% der Bevölkerung als Selbstversorger, eine Zahl die mich nachdenklich stimmte.

Auch während der weiteren Reise warteten interessante Ausflüge auf unsere kleine Reisegruppe.Wir besuchten die Pak Qu-Höhlen, in denen sich über tausend Buddha-Statuen befinden.Ein weiteres Highlight war ein Ausflug zu den Kuang Si-Wasserfällen, sowie  eine stimmungsvoller Grillabend in gemütlicher Runde am Lagerfeuer auf einer Sandbank. Wir besuchten auch das Dorf Ban Koskan, in dem die Minderheit der Hochlandlaoten leben und von Lernidee unterstützt werden. Wir hatten die Möglichkeit, die von Spendengeldern errichtete Grundschule zu besuchen und Schulmaterial und Kleider für die Kinder zu übergeben. Die Laoten sind sehr freundlich, sie lächeln immer – wir würden sie als überaus arm bezeichnen, aber diese Menschen empfinden das nicht so, sie sind glücklich, auch weil sie es nicht anders kennen.Es herrschte immer eine fröhliche Stimmung und ein großes Interesse und Neugier an uns ungewöhnlichen Besuchern. Meine persönlichen Helden waren die Kinder, die ich immer in meiner Erinnerung behalten werde.    

Ralf Selcho